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Ernährung bei Hämophilie

Für Menschen mit Hämophilie oder anderen Gerinnungsstörungen kann die richtige Ernährung einen großen Unterschied für das tägliche Wohlbefinden und das Ausmaß eventueller Komplikationen machen. Hierbei stehen zwei Faktoren besonders im Mittelpunkt: Zum einen das Gewicht bzw. das Vermeiden von Übergewicht, zum anderen die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen, die für Menschen mit einer Blutgerinnungsstörung besonders wichtig sind.

Übergewicht und Gelenkblutungen

Übergewicht gilt als Ursache einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen. Bei Patienten mit schwerer Hämophilie oder Von-Willebrand-Syndrom Typ 3 kommt jedoch ein weiterer Grund hinzu, eine übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden: Ein hohes Körpergewicht stellt eine zusätzliche Belastung der Gelenke dar, was die Häufigkeit und Schwere von Gelenkblutungen erhöhen kann. Übergewicht vermeiden oder reduzieren ist damit ein effektiver Baustein der Prävention von Gelenkblutungen.

 


Mehr zum Thema Gelenkblutungen

Gelenkblutungen gehören zu den ernsteren Komplikationen der Hämophilie; bei sonstigen Gerinnungsstörungen außer  Von-Willebrand-Syndrom Typ 3 treten Gelenkblutungen selten ein. Aufgrund der verzögerten Blutgerinnung sammelt sich das Blut im Gelenk. Dies kann zu chronischen Entzündungen führen, die die Wahrscheinlichkeit weiterer Gelenkblutungen erhöhen. Da sich dieser Prozess selbst verstärken kann, ist es wichtig, Gelenkblutungen wann immer möglich zu vermeiden und schnell zu behandeln, falls sie doch auftreten.

Mehr zum Thema erfahren sie auf unserer ​​​​Ratgeberseite Gelenkblutungen.

 

 

 

 

 

Nährstoffversorgung

Eine ausgewogene Ernährung ist für alle Menschen von Vorteil. Bei einer Blutgerinnungsstörung ist es jedoch sinnvoll, gezielt auf die Versorgung mit Nährstoffen zu achten, die eine Rolle für den Blutkreislauf spielen: Eisen, Folsäure und Vitamin B12.

Eisen

Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung von Hämoglobin, dem roten Farbstoff, der den roten Blutplättchen seine Farbe gibt. Eisenmangel kann zu Müdigkeit und einer schwächeren Immunabwehr führen. 
Der beste Eisenlieferant ist Fleisch. Verglichen dazu sind Milch und Milchprodukte relativ eisenarm. Es ist jedoch nicht nur der Eisengehalt, der über die Qualität eines Nahrungsmittels als Eisenlieferant entscheidet, sondern auch die Form, in der das Eisen vorliegt. So kommt das Eisen im Fleisch in 40–90 % als zweiwertiges Eisen vor, das über einen eigenen Transporter wesentlich effektiver aufgenommen werden kann als das Eisen der anderen Nahrungsmittel. Gemüse und Getreideprodukte enthalten ebenfalls reichlich Eisen, häufig sogar mehr als das Fleisch, das „Gemüse-Eisen“ ist jedoch wesentlich schlechter bioverfügbar.


Diese Lebensmittel sind Beispiele für gute Eisenquellen:

  • Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen wie Linsen, Sojabohnen, Kürbiskerne, Leinsamen oder Pistazien
  • Grünes Blattgemüse wie Basilikum, Dill, frischer Spinat oder Feldsalat
  • Trockenfrüchte wie Pfirsiche, Feigen und Bananen
  • Ungekeimtes Getreide wie Amaranth, Quinoa, Haferflocken oder Dinkel
  • Fisch, Fleisch, Schweineleber und Krustentiere

Neben dem Eisengehalt unserer Nahrung spielt auch unsere Fähigkeit, Eisen aufzunehmen, eine Rolle. Lebensmittel, die die uns hierbei unterstützen, sind beispielsweise:

  • Reisproteinpulver auf Pflanzenbasis
  • Lebensmittel, die reich an Vitamin C sind (z. B. Früchte)
  • Zwiebeln
  • Knoblauch

Folsäure ist ein Vitamin (B9), das unter anderem eine wichtige Rolle bei der Produktion der Blutkörperchen im Knochenmark spielt. Lebensmittel mit viel Folsäure sind beispielsweise:

  • Spinat
  • Vollkornbrot
  • Erbsen
  • Brokkoli
  • Weiße Bohnen
  • Sojasprossen

Folsäure (auch Vitamin B9)

Vitamin B12

Vitamin B12 ist unter anderem an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt. Genau genommen bezeichnet B12 eine ganze Reihe von chemischen Verbindungen, die Cobalamine, die alle die gleiche Funktion im Körper erfüllen. Zu den Lebensmitteln, die für eine gute Versorgung mit B12 sorgen, gehören:

  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
  • Milch und Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Quark
  • Eier

B12 beziehen wir fast ausschließlich aus tierischen Nahrungsmitteln. Veganer sollten daher mit ihrem Arzt über Wege sprechen, eine ausreichende Versorgung mit B12 sicherzustellen.

Weitere Nährstoffe

Vitamin K und Calcium spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Synthese von Gerinnungsfaktoren bzw. bei der Blutgerinnung selbst. Nahrungsmittel, die Sie hierfür in Ihre Ernährung einbauen können, sind:

Vitamin K

  • Avocado
  • Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Spinat
  • Birne, Apfelsine, Erdbeeren
  • Petersilie, Schnittlauch
  • Speisequark, Emmentaler
  • Hühner- und Kalbsleber, Fleisch
  • Kürbiskernöl, Olivenöl
     
  • Sesam, Mohn, Chiasamen
  • Petersilie, Kresse
  • Blattsalate, Rucola
  • Quinoa, Haferflocken
  • Quellwasser

Calcium

Vitamin D3

Vitamin D3 ist wichtig für die Stabilität der Knochen. Der Großteil der Vitamin-D-Produktion im Körper wird über die Sonne und ihre ultraviolette Strahlung angeregt. Die ausreichende Aufnahme des Vitamins über die Nahrung alleine ist sehr schwierig, insbesondere für Vegetarier und Veganer. Besonders wenn regelmäßiges Sonnenbaden nicht möglich ist, könnte daher auch ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Einige Lebensmittel, die einen Beitrag zur Versorgung mit Vitamin D3 leisten, sind:

  • Avocado, Champignons, Pfifferlinge
  • Weichkäse, Eier
  • Fettreicher Fisch
  • Leber

Fazit

Das alles klingt zwar vielleicht erst einmal kompliziert, aber im Prinzip gilt für Menschen mit Gerinnungsstörungen das Gleiche wie für gesunde Menschen: Essen Sie abwechslungsreich und möglichst frische, selbst zubereitete Gerichte statt Fast Food und Industrieküche. Nutzen Sie die Listen oben dabei als Inspiration, nicht als Checkliste zum Abhaken. Ergänzen Sie Ihre großen Mahlzeiten mit Obst- und Gemüsesnacks und greifen Sie öfter mal zu Nüssen oder Samen statt zu Schokolade oder Bonbons. Gute Gewohnheiten machen eine gute Ernährung. Wenn Sie diese Grundlage haben, ist es nicht mehr so schwierig, auf die besonderen Bedürfnisse einzugehen, die auf eine Gerinnungsstörung zurückgehen.


Achtung: Diese Seite gibt Ihnen Hinweise, die Sie bei der Versorgung mit bestimmten Nährstoffen unterstützen. Besprechen Sie Ihre Ernährung aber auf jeden Fall auch mit Ihrem behandelnden Arzt. Jeder Fall ist anders und diese Seite kann nur einige allgemeine Hinweise geben. Ihr Arzt kennt Sie.
 

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